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Fränkischer Tag, 21.05.09

Im Einklang mit dem Körper

ERÖFFNUNG Ess-Störungen sind neue Volkskrankheiten. Jede dritte Frau und jeder siebte Mann zeigen Anzeichen eines krankhaften Essverhaltens. Eine Ausstellung beschäftigt sich mit dem Thema.

Forchheim - „Der Körper lebt. Versuche ihn zu zerstören und er wird sich wehren“, schreibt Annika. Sie ist ist eine von fünf jungen Frauen zwischen 15 und 22 Jahren aus dem Raum Bamberg, die ihre Ess-Störungen in der Ausstellung „Klang meines Körpers“ thematisiert haben.

Herausgekommen ist eine Schau, die mit Texten, Collagen und ausgewählten Musikstücken das Thema einkreist. Während im Außenkreis Informationen zu Ess-Störungen gegeben werden, tauchen die Ausstellungsbesucher im Innenkreis in die Welt von Melissa, Annika, Natalie, Lara und Mia ein.

Seit gestern können das die Besucher auch in den Rathaushallen. Angelika Kotissek vom Kreisjugendring Forchheim hat mit Bettina Schuierer von der Offenen Jugendarbeit Forchheim Nord sowie mit weiteren Kooperationspartnern die Ausstellung nach Forchheim geholt.

Für Schirmherrin Melanie Huml ein wichtiger Schritt. Die Staatsministerin im Ministerium für Umwelt und Gesundheit wies darauf hin, dass Magersucht, Bulimie und Esssucht sich zu neuen Volkskrankheiten entwickeln. Schätzungen zufolge litten inzwischen sechs Prozent der Bevölkerung daran. Auf Bayern bezogen wären das immerhin 700 000 Menschen.

„Fakt ist, dass eigentlich nicht das Essen, sondern die Gefühle gestört sind. “ Signale des Körpers wie “Hunger“, “Glück“ und “Verletzlichkeit“ würden nicht mehr gehört oder falsch interpretiert.

Um so wichtiger sei es, auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Ein so kreativer und künstlerischer Ansatz, wie ihn diese Ausstellung habe, helfe natürlich dabei. „Ausgestattet mit wichtigen Informationen zum Thema, lässt sich medial eintauchen in die Gefühlswelt der Betroffenen.“

Der Erfolg von „Klang meines Körpers“ spricht für sich: „Ein Thema das viele betrifft, mit dem sich nur wenige befassen und das nur einige kennen! Ich fand die Ausstellung gut und vor allem ehrlich“, schreibt Laura auf der Internetseite www.klang-deines-koerpers.de zur Ausstellung, die im Jahr 2007 den Gesundheitspräventionspreis der Landeszentrale für Gesundheit in Bayern verliehen bekam und nun in deren Repertoire aufgenommen wurde.

Längst wird die Ausstellung aus dem gesamten Bundesgebiet nachgefragt. Mehr als 40 000 Besucher haben sie gesehen. Am Donnerstag war auch Oberbürgermeister Franz Stumpf unter ihnen, der das Thema Sucht insgesamt als große Herausforderung für die Gesellschaft sieht. Trinken, Rauchen, Gewaltbereitschaft, die Liste der Auffälligkeiten, gerade bei der Jugend, sei inzwischen lang.

„Die Seele gerät aus der Bahn“, meinte Franz Stumpf, und hinter so mancher Fassade gebe es diese seelische Not. Deshalb seien solche Ausstellungen so wertvoll. „Die Betroffenen und die Eltern merken, dass sie nicht allein sind.“

Nach der Tanzeinlage von Franziska Kern von der Ballett-Etage und besonderen Gaumenfreuden der „DiaAmenten“ führte Angelika Kottisek die Gäste durch die „Welt“ der Essgestörten, die wohl vielen weniger fremd ist, als es zugeben.

TORSTEN GEILING






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