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Fränkischer Tag, 07.05.09

„Wir sind in unserer Spaßgesellschaft zu weit gegangen“

JUGENDSCHUTZ Klaus Linsner sieht im Schnapsbudenverbot nur ein Symbol. Der Polizeichef fordert weitere Schritte.

Kreis Forchheim - Man mag es schon gar nicht mehr hören: Aber am Wochenende wurden erneut zwei Jugendliche in Forchheim mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert. Zwölf-, 13-, 14-Jährigen, die nicht nur einen Schwips haben, sondern „hackedicht“ sind, begegnen die Beamten der Polizeiinspektion Forchheim immer häufiger. „Der Alkoholmissbrauch von Jugendlichen ist nicht auf Forchheim begrenzt“, sagt Inspektionsleiter Klaus Linsner, „aber er ist erschreckend“.

Nach Ansicht des Beamten ist unserer Spaßgesellschaft einen Schritt zu weit gegangen. Deshalb sieht er im Verbot von Schnapsbuden auf dem Annafest einen richtigen Schritt – und schränkt ein: „Es geht hier nicht ums Annafest, sondern darum, ein Zeichen zu setzen.“

Er habe Hochachtung vor dem Stadtrat, dass der sich zu diesem Schritt durchgerungen habe. Man mache es sich aber zu leicht, wenn man glaube, die Schnapsbuden seien verboten, jetzt könne man weitermachen wie bisher. Es müsse ein Umdenken stattfinden, fordert Linsner. „Wir als Erwachsene müssen den Jugendlichen vorleben, wie man mit Alkohol umgeht.“ Er wolle niemanden das Feiern und die Kirchweih vermiesen, sagt der Erste Polizeihauptkommissar , „aber muss es denn immer harte Getränke geben...“

Es werde immer von Volks- und Brauchtum gesprochen, „oft geht es aber nur um den Kommerz.“ Dabei glaubt der Leiter der Forchheimer Polizeiinspektion, dass bei richtiger Planung kein Veranstalter nur einen Cent weniger verdient, wenn er auf den Barbetrieb verzichtet. Zumal fast immer ein zu hoher Alkoholpegel im Spiel sei, wenn es nach einem Fest zu Ärger und Straftaten komme.

Linsner hofft auf die Einsicht der Veranstalter und auf deren freiwilligen Verzicht, harte Getränke auszuschenken.

Darüber hinaus gibt es für ihn noch etliche vielversprechende Ansätze. In Baden-Württemberg werde beispielsweise gerade ein Alkohol-Verbot an Tankstellen in den Nachtstunden diskutiert, die längst zu einem Treffpunkt für Weggehfreudige geworden seien. Denn keiner gehe inzwischen mehr auf die Piste, ohne nicht vorgeglüht zu haben. Schon deshalb könnte das Schnapsbudenverbot nur ein Zeichen, aber keine Bekämpfung des Problems sein. Es sei ein Kampf gegen Windmühlen, aber jeder noch so kleine Erfolg zähle.

Die Prävention müsse bereits im Elternhaus beginnen. Diese Verantwortung könne man nicht auf Polizei, Kreisjugendring oder Jugendamt abschieben. Ihm fehle jedoch jegliches Verständnis, wenn Zwölf-, 13-Jährige nachts um 4 Uhr von der Polizei mitten in der Stadt aufgegriffen würden und sich die Eltern noch beschweren, wenn sie ihre Kinder auf der Wache abholen sollen.

Schutz der Jugend fördern

Linsner findet es auch schade, dass immer mehr Gemeinden die von Landrat Reinhardt Glauber initiierte Selbstbeschränkung zum Schutze der Jugend ablehnen. „Das Problem wird leider noch immer verharmlost. Wir sollten den Jugendschutz höher ansiedeln“, sagt Linsner, „und uns zu einem Vorzeigelandkreis entwickeln“.

TORSTEN GEILING






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