Medienpartner




Nordbayerische Nachrichten, 25.10.08

'In den besten Händen'

Forchheimer Kreisjugendring besteht schon 60 Jahre

Forchheims Kreisjugendring ist 60 Jahre alt geworden. Im menschlichen Leben beginnt hier meist schon das Rentenalter, lehnt man sich zurück, um Bilanz zu ziehen. Jugendverbände müssen dies bisweilen auch tun. Ihre Arbeit gilt aber als zukunftsorientiert, so dass sie nicht ermüden dürfen in ihrem gesellschaftlichen Engagement.

FORCHHEIM — Für den Geschäfts führer des Bezirksjugendrings, Franz Stopfer, hat sich Jugendarbeit auf drei Feldern zu bewähren: Sie muss das Bedürfnis von Kindern und Jugendlichen nach „Gemeinschaft“ erfüllen, soll ihnen „Sinn und Orien tierung“ geben und „Freiraum“ schaf fen. In Forchheim, so Stopfer bei der Jubiläumsfeier des lokalen Jugend rings im Rathaussaal, lägen diese Auf gaben „in allerbesten Händen“.

Bedürfnisse stabil

Ehrenamtliche Jugendarbeit finde, bedingt durch den gesellschaftlichen Wandel, heute unter „geänderten Bedingungen“ statt, betonte Stopfer. Aber „die Bedürfnisse junger Men schen“ seien „über die Zeit hinweg sta bil geblieben“. Die Jugendlichen dürf ten aber „niemals alleingelassen wer den“, dann könnten sie in die Fänge von Neonazis geraten. Daher sei die gegen die Daueraufmärsche der NPD gerichtete Arbeit des KJR und des Bür gerforums in Gräfenberg für Toleranz und Demokratie „beispielhaft“.

Landrat Reinhardt Glauber (Freie Wähler), dem am Festabend die höchste Auszeichnung des Landesju gendrings überreicht wurde, weshalb er sich jetzt „Partner der Jugendar beit“ nennen darf, zitierte den franzö sischen Philosophen Jean-Jaques Rousseau: „Jugend lässt sich Zeit, Weisheit zu lernen.“ Sie müsse aber gesellschaftliche Verantwortung über nehmen. Nur der „gemeinschaftsfä hige Bürger“ sei die wahre Stütze für das Funktionieren des demokrati schen Gemeinwesens, so Glauber.

Ihn „stimmt sehr nachdenklich“, bekannte der Landrat mit Blick auf die sinkende Wahlbeteiligung, dass immer mehr junge Menschen den Urnen fernbleiben. Und ihre politi schen Rechte nicht wahrnehmen. Des wegen hält es Glauber für notwendig, die mit Staatsgeldern geförderte Auf klärungsaktion „Vielfalt tut gut“ im Kampf gegen den Rechtsextremismus „kontinuierlich“ weiterzuführen.

Den Landrat, der als Bürgermeister von Pinzberg das erste Jugendparla ment im Kreis schuf, betrachtet der KJR auch als einer der Väter seiner Erfolge. Dazu Vorsitzender Thomas Wilfling: Glauber habe „Mut zu neuen Ideen“ und sei auch bereit, „nicht gern gehörte Wahrheiten auszuspre chen“, womit einerseits die einstmals politisch sehr umstrittene und 1996 dann doch verwirklichte Verknüpfung von verbandlicher und kommunaler Jugendarbeit gemeint ist und andererseits Glaubers früher Kampf gegen den Jugendalkoholismus auf dem Annafest. Der Landrat warnte: „Wer dieses Alkoholproblem herunter spielt, begeht ein Verbrechen.“

Im Jubiläumsjahr hat der KJR eine eigene Stiftung ins Leben gerufen, die seine Arbeit in nächster Zeit auch finanziell absichern soll. Ins Boot genommen wurde man von der Stifter gemeinschaft der Sparkasse, deren Chef, Ewald Maier, auch die erste Ein lage zeichnete – 5000 Euro zahlte das Geldhaus. Landrat Glauber beteiligt sich auch (...).

Stiefel für jedermann

Kreisjugendpfleger Christian Kohlert ist froh über jede Spende, die die Stiftung bekommt. „Auch kleine Sum men, die stetig fließen, sind uns will kommen.“ Mit der Stiftung könne man „viel für unsere Kinder und Jugendlichen tun“. Oberbürgermeis ter Franz Stumpf (CSU) hatte davon offenbar vorher wenig gehört: Er über ließ Wilfling als Geburtstagsgeschenk einen Scheck mit „einem kleinen Geld betrag“. Damit das Förderwerk gut vorankommt, wurden im Rathaussaal schon große und kleine bunte Stiefel ausgegeben, mit denen „gemeinsame Schritte“ (Kohlert) zum Ziel getan werden sollen.

HUGO MOLTER






Kreisjugendring Forchheim des Bayerischen Jugendrings KdöR | Impressum