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Fränkischer Tag, 17.09.08„Da bleibt einem ja die Spucke weg“ZÜNDSTOFF Beim FT-Diskussionsforum mit den Landtags-Direktkandidaten erhitzte vor allem das Thema Rechtsextremismus die Gemüter. Für das Bürgerforum Gräfenberg gab es Zustimmung, aber auch harsche Vorwürfe.
Forchheim - „Das hat mich noch nie interessiert. Da will sich doch nur ein Bürgermeister profilieren. Wenn die das nicht so groß aufgezogen hätten…“ Ein Raunen geht durch den Saal des Jungen Theaters, als die Landtagskandidatin der Republikaner, Marie-Luise Grüner, ihr Statement zum Thema Rechtsextremismus und die Gegenbewegung in Gräfenberg abgibt.
„Da bleibt einem ja die Spucke weg“, kontert Thorsten Glauber von den Freien Wählern. „Wenn ich höre, was mein Großvater vom Krieg erzählt, dann weiß ich ganz genau, warum ich nach Gräfenberg gehe. Ich bin froh über das aktive Bürgerforum.“
Und doch gibt es an diesem Abend nicht nur Zustimmung für die Bewegung, die seit Monaten den Aufmärschen der Neo-Nazis Paroli bietet. Aus den Reihen der Jungen Union wird der Vorwurf laut, die Aktivisten würden zu sehr ins andere Extrem rutschen. Vom Linksruck ist die Rede. Die Emotionen schlagen hoch, die Gemüter sind gespalten – im Publikum wie auf dem Podium.
„Wenn verfassungskonform ein Verbot der NPD durchsetzbar ist, ist die FDP dabei“, formuliert es Sebastian Körber. Aber so sei ein verschärftes Versammlungsrecht der falsche Ansatz. „Wir sollten lieber aufklären.“ Das finden auch die anderen Bewerber umein Landtagsmandat.
In der ersten Reihe sitzen die Anhänger der Jungen Union. Und einer von ihnen, Johannes Eismann, fragt sich, ob sich das Bürgerforum Gräfenberg „auf legitimem Boden“ bewegt. Fabian Schmidmeier geht nochweiter: Das Bürgerforum verfüge über Kontakte in die linksextreme und damit in die antidemokratische Szene. Es bestehe Konsens mit den Parteien, dass die NPD bekämpft werden muss. „Aber hier wird der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben“, so Schmidmeier.
Entsetzen auf dem Podium. Reiner Büttner (SPD) sagt, man müsse aufstehen und die Demokratie verteidigen. Und Karl Waldmann von den Grünen beschwört: „Wir haben schon mal weggeschaut. Im Osten trauen sich die Bürgerinitiativen inzwischen nicht mehr, Widerstand zu leisten.“ Die Junge Union solle nicht nur zu Wahlkampfzeiten nach Gräfenberg: „Hören Sie auf, das Bürgerforum in die linke Ecke zu stellen. Der Widerstand dort ist bundesweit anerkannt!“
Eduard Nöth (CSU) warnt: „Es wäre brandgefährlich, wenn sich die demokratischen Parteien jetzt auseinander dividieren lassen.“ Gräfenberg beweise, dass engagierte Menschen etwas bewegen können. „Aber ich kenne auch die massiven Beschwerden der Geschäftsleute.“ Im Publikum meldet sich Michael Neubert: „Druck erzeugt Gegendruck. Mit Sitzblockaden werden Sie aber das Gedankengut dieser Menschen nicht ausradieren.“ Er ist dafür, die NPD zu „entzaubern“, sie mit ihren eigenen Worten bloßzustellen. Thomas Wilfling sagt, man könne nicht die Resignation der Menschen auf der einen Seite beklagen und nun den aktiven Widerstand angreifen. Ursula Albuschkat von der Organisation „Vielfalt tut gut“ macht darauf aufmerksam, dass Gräfenberg nicht der einzige vom braunen Terror betroffene Ort ist. SPD-Mann Büttner ist gegen ein neues Versammlungsrecht: „Mit diesem Grundrecht spielt man nicht.“
MICHAEL SCHULBERT
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