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Nordbayerische Nachrichten, 21.10.09Selbst Kinder trinken schon regelmäßig AlkoholKreisjugendring befragte rund 1000 Jugendliche zu Trinkgewohnheiten - Erstes Glas meist bei Familienfeiern
Komasaufen, Rauschtrinken oder Binge-Drinking beherrschen in den letzten Monaten immer wieder die Schlagzeilen. Trinkt die Jugend wirklich mehr als früher oder handelt es sich um ein konstruiertes Problem?
FORCHHEIM - Der Kreisjugendring ist dieser Frage nachgegangen und hat Kinder und Jugendliche zwischen elf und 19 Jahren aus dem Landkreis Forchheim zu ihrem Alkoholkonsum anonym per Fragebogen befragt. Die Resonanz war erfreulicherweise hoch: „Es kamen über 1000 ausgefüllte Fragebögen zurück, von denen 993 auswertbar waren“, sagt Kreisjugendpflegerin Ursula Albuschkat. Ein großes Lob gab es für das Staatliche Schulamt, die Schulen und Jugendeinrichtungen im Landkreis, die diese Befragung sehr unterstützt haben.
Die Ergebnisse stützen in vielen Punkten die Zahlen, die aus unterschiedlichsten Studien und Statistiken wie z.B. der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung hervorgehen. Die Zugangsmöglichkeiten zum Alkohol sind dabei unterschiedlich. 40,1 Prozent der Befragten gab an, den ersten Alkohol auf Familienfeiern, 23,4 Prozent auf Festen oder Kirchweihen konsumiert zu haben. Bei den bis zu Elfjährigen geben 45,6 Prozent an, bei Familienfeiern und 10,7 Prozent auf Festen und Kirchweihen ihre ersten Alkoholerfahrungen gemacht zu haben.
Täglich ein Gläschen
16,9 Prozent der Befragten der Zwölf- bis 13-Jährigen, 37,2 Prozent der 14- bis 15-Jährigen und 64,9 Prozent der 16- bis 17-Jährigen sagen, dass sie ein bis drei Mal pro Woche Alkohol trinken. Gerade die Zahl bei den Zwölf- bis 13-Jährigen überraschte, da diese Altersgruppe vom Gesetz her noch gar keinen Alkohol konsumieren darf. Die 14- und 15-Jährigen dürfen rechtlich nur im Beisein der Eltern Bier, Wein oder Sekt zu sich nehmen. In dieser Altersgruppe trinken 7,3 Prozent, sowie neun Prozent der Jungen und 4,1 Prozent der Mädchen zwischen 16 und 17 Jahren und rund jeder fünfte zwischen 18 und 19 Jahren täglich Alkohol.
Die bevorzugten Arten des Alkohols sind Mixgetränke (13 Prozent) und „Verschiedenes“ (39,5 Prozent). Schnaps und Wein werden erst für die 16- bis 17-Jährigen richtig interessant. In dieser Gruppe wird auch ein deutlicher Anstieg des Bierkonsums festgestellt. Das mag damit zusammenhängen, dass ab dem 16. Lebensjahr der Konsum von Bier, Wein und Sekt offiziell vom Gesetz her erlaubt ist. Bei den 18- und 19-Jährigen trinken Mädchen verstärkt Mixgetränke und Wein, während Jungen überwiegend (54,5 Prozent) Bier trinken.
Mit dem Anstieg des Alters steigt auch die Zahl derer, die Alkohol wegen des Genusses trinken: 11,5 Prozent der Zwölf- bis 13-Jährigen, 22,6 Prozent der 14- bis 15-Jährigen, 28 Prozent der 16- bis 17-Jährigen und 35,7 Prozent der 18- bis 19-Jährigen gaben dies als Grund an. Der Spaßfaktor der Kinder und Jugendlichen am Alkohol steigt stetig an (12-13: 14,2 Prozent; 14-15: 24,4 Prozent) und erreicht mit einem Alter von 16-17 Jahren ihren Höhepunkt mit 30,7 Prozent. Auch 21,4 Prozent der jungen Erwachsenen (18-19 Jahren) trinken aus Spaß.
Bemerkenswert ist das Ergebnis der Frage, ob sie von anderen zum Trinken aufgefordert werden. Hier gaben 62,6 Prozent der Zwölf- bis 13-Jährigen, zwei Drittel (67,5 Prozent) der 14- bis 15-Jährigen, 45,6 Prozent der 16- bis 17-Jährigen sowie 39,3 Prozent der 18- bis 19-Jährigen an, dies ohne Aufforderung, also freiwillig zu tun.
50 Euro pro Woche
Außerdem ergab die anonyme Umfrage, dass bei den Altersgruppen 14-15 und 16-17 Jahren die Bereitschaft, für Alkohol Geld auszugeben, deutlich steigt. Zwischen zehn und 30 Euro geben 7,3 Prozent der 14- bis 15-Jährigen pro Woche für Alkohol aus. Bei den 16- bis 17-Jährigen tun dies 21,9 Prozent. 5,3 Prozent dieser Altersgruppe geben an, mehr als 50 Euro pro Woche für Alkohol zu zahlen.
69,9 Prozent der 14- bis 15-Jährigen sagen, sie können komplett auf Alkohol verzichten, 9,4 Prozent glauben dass sie es nicht könnten, und 20,8 Prozent wissen es nicht. Bei den 16- bis 17-Jährigen geben noch 40,4 Prozent der Jugendlichen an, auf Alkohol völlig verzichten zu können, 22,8 Prozent verneinen diese Frage und 36,8 Prozent wissen nicht, ob sie es können.
Dem Satz „Es ist leichter mit Alkohol lustig, spontan oder fröhlich zu sein“ stimmten immerhin 41,3 Prozent der Befragten zu. Allerdings widersprachen auch 85,1 Prozent der befragten Jugendlichen der Aussage.
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