Presseberichte
27.01.2012

Jugendring will Stingl „halten“

Kreis Forchheim - Armin Stingl war in den letzten Monaten mit Lob geradezu überschüttet worden – doch jetzt steht der Jugendpfleger erst mal ohne Job da.
Der 37-jährige Sozialpädagoge ist seit einem guten Jahr in Poxdorf, Effeltrich und Langensendelbach unterwegs. Mit PC-Lektionen, Videoprojekten zum Thema Rechtsradikalismus und Raketenbaukursen hat sich Armin Stingl unter den Jugendlichen und Eltern einen Namen gemacht.

Über 400 der 1600 Jugendlichen in den drei Gemeinden hat Armin Stingl mit seiner Arbeit erreicht – das hatte ihm Kreisjugendpfleger Christian Kohlert noch im Dezember bestätigt und von einer „Wahnsinnsquote“ gesprochen.

Doch der Gemeinderat Poxdorf hat dem Jugendpfleger jetzt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Weil sich die Gemeinde finanziell in Bedrängnis fühlt, hat der Rat abgelehnt, ab Juli weiterhin einen Jugendpfleger zu beschäftigen. Da die Stelle von Armin Stingl aber von den Gemeinden Poxdorf, Langensendelbach und Effeltrich gemeinsam finanziert wird, stehen die andern beiden Kommunen etwas ratlos da.

Die Gemeinderäte in Langensendelbach und Effeltrich haben nämlich schon beschlossen, die Stelle des Jugendpflegers ab August weiterzuführen.

Andreas Pfister, Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft Effeltrich, sagt, dass mit dem Beschluss der Poxdorfer die Stelle des Jugendpflegers „nicht in Frage gestellt ist“. Die drei Gemeinden bezahlten bislang je 15 000 Euro. Zwar sei er „überrascht“ gewesen vom Poxdorfer Beschluss – sagt Pfister, aber dennoch werde nun weiter überlegt, wie die Jugendarbeit in Effeltrich und Langensendelbach aussehen kann. Immerhin ließe sich mit den Beschlüssen eine 2/3-Stelle finanzieren. Auch Bernd Meierhöfer, der die Geschäfte in der Gemeinde Langensendelbach leitet, bestätigte gestern: „Wir halten an unserem Beschluss fest.“ Langensendelbachs Bürgermeister Wolfgang Fees (SPD) hatte erst jüngst bei einer Veranstaltung zur Jugendarbeit massiv geworben: „Ich möchte die Jugendpflege nicht mehr missen.“ Viele Gedanken der Jugendlichen sind erst durch die Arbeit von Armin Stingl in der „Politik angekommen“, ist Wolfgang Fees überzeugt. Gerade weil die Jugendpflege „ganz offensichtlich Früchte getragen hat“, geht Bernd Meierhöfer davon aus, dass die Poxdorfer nochmal in sich gehen. „Aus Fairnessgründen sollte der Poxdorfer Gemeinderat das Thema erneut behandeln“, meint Bernd Meierhöfer.

Kreisjugendpflegerin Ursula Albuschkat (Kreisjugendring) bedauert, dass sich der Poxdorfer Rat „gegen Armin Stingl ausgesprochen hat, das ist das falsche Signal“.

Wie der Kreisjugendring auf die Situation reagieren wird? Dazu gebe es bereits Überlegungen, sagt Ursula Albuschkat, „aber sie sind noch nicht spruchreif“. Fest stehe aber, sagt die Kreisjugendpflegerin: Armin Stingl habe „sehr gute Arbeit geleistet – daher haben wir großes Interesse, ihn zu halten.“
EKKEHARD ROEPERT

Fränkischer Tag, 27.01.12
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