|
|
| |
Jugend und Alkohol - ein Thema bewegt | Komasaufen, Rauschtrinken oder Bingedrinking beherrschen in den letzten Monaten immer wieder die Schlagzeilen. Trinkt die Jugend wirklich mehr als früher oder handelt es sich bei dem ganzen Thema um ein konstruiertes Problem?
Der Kreisjugendring Forchheim ist dieser Frage nachgegangen und hat Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 19 Jahren aus dem Landkreis Forchheim zu ihrem Alkoholkonsum anonym per Fragebogen befragt. Die Resonanz war erfreulicherweise hoch, so dass insgesamt über 1000 ausgefüllte Fragebögen zurückkamen, von denen 993 auswertbar waren.
Die Ergebnisse stützen in vielen Punkten die Zahlen, die aus unterschiedlichsten Studien und Statistiken wie z.B. der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung hervorgehen. Die Zugangsmöglichkeiten zum Alkohol sind dabei unterschiedlich. 40,1 % der Befragten gab an, den ersten Alkohol auf Familienfeiern, 23,4 % auf Festen oder Kirchweihen konsumiert zu haben. Bezogen auf die Altersgruppe der bis zu 11-Jährigen geben 45,6 % bei
Familienfeiern und 10,7 % auf Festen und Kirchweihen ihre ersten Alkoholerfahrungen gemacht zu haben.
16,9 % der Befragten der Altersgruppe der 12- bis 13-Jährigen, 37,2 % der 14- bis 15- Jährigen und 64,9 % der 16- bis 17-Jährigen geben an 1-3 pro Woche Alkohol zu konsumieren. Gerade die Zahl bei den 12- bis 13-Jährigen überraschte, da diese Altersgruppe vom Gesetz her noch gar keinen Alkohol konsumieren darf. Die Altersgruppe der 14- und 15-Jährigen darf nur im Beisein der Eltern Bier, Wein oder Sekt konsumieren. In dieser Altersgruppe trinken jedoch 7,3 %, sowie 9% der Jungen und 4,1 % der Mädchen im Alter von 16-17 Jahren und rund jeder fünfte zwischen 18 und 19 Jahren trinkt täglich Alkohol.
Die bevorzugten Arten des Alkohols sind Mixgetränke (13 %) und „Verschiedenes“ (39,5 %). Schnaps und Wein werden erst für die Gruppe 16- bis 17-jähriger richtig interessant. In dieser Gruppe wird auch ein deutlicher Anstieg des Bierkonsums festgestellt. Das mag damit zusammen hängen, dass ab dem 16. Lebensjahr der Konsum von Bier, Wein und Sekt offiziell vom Gesetz her erlaubt ist. In der Gruppe der 18/19 jährigen trinken Mädchen verstärkt Mixgetränke und Wein, während Jungen in diesem Alter überwiegend (54,5 %) Bier trinken.
Mit Anstieg des Alters steigt auch die Zahl derer, die Alkohol wegen des „Genusses“ trinken. 11,5 % der 12- bis 13-Jährigen, 22,6 % der 14- bis 15-Jährigen, 28 % der 16- bis 17-Jährigen und 35,7 % der 18- bis 19-Jährigen gaben dies als Grund an. Der Spaßfaktor der Kinder und Jugendlichen am Alkohol steigt stetig an (12-13: 14,2 %; 14-15: 24,4 %) und erreicht mit einem Alter von 16-17 Jahren ihren Höhepunkt mit 30,7 %. Jedoch immer noch 21,4 % der jungen Erwachsenen im Alter von 18-19 Jahren trinken Alkohol aus Spaß.
Bemerkenswert ist das Ergebnis der Frage, ob sie von anderen zum Trinken aufgefordert werden. Hier gaben 62,6 % der 12- bis 13-Jährigen, zwei Drittel (67,5 %) der 14- bis 15-Jährigen, 45,6 % der 16- bis 17-Jährigen sowie 39,3 % der 18- bis 19-Jährigen an, dies ohne Aufforderung von außen, also freiwillig zu tun.
Desweiteren ergab die anonyme Umfrage, dass zwischen den Altersgruppen 14-15 und 16-17 Jahren ein deutlicher Anstieg der Bereitschaft festzustellen ist, für Alkohol Geld auszugeben. Zwischen 10 € und 30 € geben 7,3 % der 14- bis 15-Jährigen pro Woche für Alkohol aus. In der Gruppe der 16- bis 17-Jährigen tun dies dreimal soviele (21,9 %). Des Weiteren geben 5,3 % dieser Altersgruppe an mehr als 50 € pro Woche für Alkohol auszugeben.
69,9 % der Jugendlichen im Alter von 14 bis 15 Jahren geben an komplett auf Alkohol verzichten zu können, 9,4 % glauben dass sie es nicht könnten, und 20,8 % wissen es nicht. In der Altersgruppe der 16– bis 17- Jährigen geben noch 40,4 % der Jugendlichen an komplett auf Alkohol verzichten zu können, 22,8 % verneinen diese Frage und 36,8 % wissen nicht ob sie es können.
Dem Satz „Es ist leichter mit Alkohol lustig, spontan oder fröhlich zu sein“ stimmten immerhin 41,3 % der Befragten zu. Allerdings widersprachen auch 85,1 % der befragten Jugendlichen der Aussage.
Es stellt sich nun die Frage, wie mit dem Thema Alkohol umgegangen wird. Die Schule als Bildungseinrichtung hat den Auftrag, die Schülerinnen und Schüler zu diesem Thema zu sensibilisieren. Jedoch gaben lediglich 36,2 % aller Altersklassen an, dass das Thema Alkohol und Drogen in der Schule ausreichend behandelt werden. Jedoch ist es zu einfach, die Verantwortung wieder alleine den Schulen zuzuschieben.
Beim Erlernen eines risikoarmen Umgangs mit der legalen Droge Alkohol ist jeder in seinem jeweiligen Wirkungskreis gefordert. Um positiv auf Kinder und Jugendliche Einfluss zu nehmen, gilt es, als erstes das eigene Verhalten und somit seine Vorbildfunktion kritisch zu betrachten. Wer glaubt, dass es reicht, an den Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, der irrt. Kinder und Jugendliche sind das Spiegelbild unserer Gesellschaft. Warum sollten Sie sich anders verhalten, als wir es ihnen täglich vorleben?
Verhaltenspräventive Maßnahmen müssen sich also mit verhältnispräventiven Maßnahmen, sinnvoll ergänzen. Bildungsstätten wie Schulen, Jugendeinrichtungen, Vereine und Verbände können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Allerdings wirkt es unglaubwürdig, wenn auf der anderen Seite begründet wird, dass durch den Verkauf von Alkohol, insbesondere Schnaps, die Jugendarbeit in dem jeweiligen Verein oder der jeweiligen Gemeinde finanziert wird.
Diverse repräsentative Studien, belegen, dass verhaltenspräventive Maßnahmen hochwirksam sind. Verantwortlich für diese Maßnahmen sind neben den politischen Gremien auch die Festveranstalter und z.B. ordnungsrechtlichen Behörden. Maßnahmen, die auf kommunaler Ebene getroffen werden könnten, wären beispielsweise eine verpflichtende Erklärung aller landkreisangehörigen Gemeinden, wie sie ihre Feste bezogen auf das Thema Alkohol in Zukunft gestalten möchten. Hier wäre eine verbindliche Regelung zum Alkoholangebot, der Alkoholwerbung, Alkoholausschankflächen, etc. wünschenswert.
Im Hinblick darauf, die Verfügbarkeit von Alkohol, insbesondere Schnaps, zu reduzieren, gilt es auch darüber nachzudenken, ob bei Festen generell der Ausschank von hartem Alkohol sein muss. Dies sollte umso mehr überlegt werden, da die Zahl von Straftaten mit zunehmendem Alkoholpegel rapide ansteigt.
Es geht hier nicht um ein Verbot von Alkohol sondern darum, den Missbrauch von Alkohol und damit auch die Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu minimieren. Hierzu sollte verstärkt auch der Fokus auf die Schulung der Wirte und des Verkaufpersonals gelegt werden insbesondere auch, was die Weitergabe von Alkohol an Dritte angeht. Sollte es hier zu Auffälligkeiten kommen, ist es dringend erforderlich, dass die zuständigen Behörden ihrer Verantwortung nachkommen und hier über entsprechend hohe Bußgelder bzw. über eine Sperrzeitverkürzung ihren Einfluss geltend machen.
In diesem Sinne appellieren wir an die Zusammenarbeit aller Verantwortlichen um diesem Thema zu begegnen und ihrem Vorbildcharakter gerecht zu werden.
Auswertung Fragebogenaktion (PDF) |
|
| |
|
|